Romania Continua

Zentrum für kreatives Sprachtraining Jena-Weimar

Wir wohnen nicht in einem Land, sondern in einer Sprache. Emile Cioran

Warum Romania continua?

I. Sprachwissenschaftliche Definitionen

Romania continua („alte Romania“) bezeichnet in der Sprachwissenschaft diejenigen Sprachgebiete (hauptsächlich auf dem Gebiet des geographischen Europas), in denen sich nach einer Phase der Romanisierung romanische Sprachen aus dem Vulgärlatein gebildet haben, Sprachen, die auch heutzutage noch gesprochen werden.

Unterteilungen der Alten Romania

(a) Unterteilung nach Amado Alonso
Romania continua: diejenigen Sprachgebiete, die die lateinische bzw. romanische Sprache seit der Antike kontinuierlich bewahrt haben, ohne größere Brüche in der Entwicklung der jeweiligen Sprachen und mit geringeren Divergenzen zum Lateinischen.

Romania discontinua: diejenigen Sprachgebiete, in denen poströmische Kontaktsprachen die Entwicklung der entsprechenden romanischen Sprachen nachhaltig und stark beeinflusst haben. Dies sei der Fall beim Französischen (durch Kontakt zunächst mit dem Keltischen/Gallischen – Galloromania -, dann mit dem Germanischen, nämlich der Sprache der fränkischen Eroberer) und dem Rumänischen (durch Kontakt mit slawischen Sprachen).

(b) Unterteilung nach Tagliavini
Carlo Tagliavini untergliedert die Romania in

  • balkanromanische (oder rumänische) Sprachen – (Dakorumänisch und Aromunisch)
  • italoromanische Sprachen (dalmatische, italienische, sardische und rätoromanische Sprachen)
  • galloromanische Sprachen (Französisch, Frankoprovenzalisch, Okzitanisch und teilweise Katalanisch)
  • iberoromanische Sprache (Katalanisch, Spanisch, Portugiesisch und Galizisch)

(c) Unterteilung nach Bartoli
Nach Matteo Bartoli lässt sich die Romania topographisch in vier Gruppen unterteilen:
Iberia, Gallia, Italia und Dacia.
Iberia und Dacia bilden hiernach die sog. Randromania, während die Zentralromania sich hiernach aus Italia und Gallia zusammensetzt.

Bartolis Unterteilung liegen Studien zugrunde, wonach innovatorische Impulse meist von der Zentralromania ausgingen, während sich die Randromania sprachlich meist archaischer, bzw. konservativ verhalte. Beispielsweise behalten die spanische und rumänische Sprache für das Wort „Tisch“ Wörter bei, die sich etymologisch vom älteren lateinischen Wort mensa herleiten (spanisch mesa, rumänisch masă), während die jüngere Form tabula das entsprechende italienische (tavola) und französische Wort (table) herausbildete.

(d) Unterteilung nach von Wartburg (1950)
Der Linguist Walther von Wartburg unterteilte die romanischen Sprachen in Ost- und Westromania. Er machte seine Unterteilung vor allem an den in den jeweiligen Arealen gesprochenen vorrömischen Sprachen (z. B. keltischen) und gewissen gleichsam auftretenden lautlichen Phänomenen fest.

In diesem Zusammenhang ist das Isoglossen – Bündel, das von La Spezia an der Riviera (nach Rimini) an der Adria verläuft, von Bedeutung, denn nördlich davon (in der Westromania)

  • werden vulgärlateinisch /p/, /t/, /k/ zwischen Vokalen sonorisiert (z. B. vlat. sapere > sp. saber),
  • wird die Aussprache der lat. Konsonantencluster /kt/ und /ult/ im Wortinneren zum Gaumen hin verschoben,
  • bleibt der Laut /s/ am Wortende erhalten..

In der Ostromania sei – nach Wartburg – jeweils das Gegenteil der Fall.

Ost- und Westromania

Ost- und Westromania
Quelle:http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Western_and_Eastern_Romania.PNG

II. Nicht-sprachwissenschaftliche Definition

Historische Definition
Ab dem 3. Jahrhundert verdrängte in der Umgangssprache „Romania“ die Bezeichnung „Imperium Romanum“, da seit Caracalla alle freien Bewohner des römischen Reiches das römische Bürgerrecht besaßen und es somit nur noch „Römer“ gab. Subjektiv sahen sich seitdem alle Untertanen des römischen Reiches, soweit sie nicht z. B. aus religiösen Gründen in Opposition zum Reich standen, als Römer, wobei die lateinischsprachigen Römer die griechischsprachigen Bürger der Osthälfte des Reiches, die sich selbst (bis ins 19. Jahrhundert, teilweise bis heute) als Römer (Rhomäer) bezeichneten, nicht Römer, sondern weiterhin Griechen nannten.
Historisch wird als Romania auch das Lateinische Kaiserreich der Kreuzritter 1204–1260 auf dem Boden des oströmischen (byzantinischen) Reiches bezeichnet, da „Romania“ in seiner griechischen Form auch die Selbstbezeichnung des oströmischen Reiches war, das die Kreuzfahrer in einer lateinisch-westkirchlichen Form fortsetzen wollten.